Initiative Metallbautechnik

Round Table 2011

Der Blick nach außen

Das Fenster zählt für Experten zum komplexesten technischen Teil der Gebäudehülle, denn es muss energetischen Ansprüchen genügen und hat damit einen hohen Stellenwert im Betrieb und in der Instandhaltung. Eine Form von Fenster hat sich als besonders widerstandsfähig heraus gestellt.



v.l.n.r.: Harald Greger (AFI), Hans Georg Jodl (TU Wien), Walter Senk (Leiter Roundtable)
Michael Pech (ÖSW) und Susanne Geissler (ÖGNB)
Eine Expertenrunde diskutiert über die Werthaltigkeit im Wohnbau
und die Bedeutung des Werkstoffs Aluminium, © DMV Verlag


Unter der Moderation von Walter Senk diskutierten:
  • Harald Greger, Geschäftsführer des Aluminium-Fenster-Instituts (AFI)
  • Hans Georg Jodl, TU Wien
  • Susanne Geissler, Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (ÖGNB)
  • Michael Pech, Mitglied des Vorstandes des Österreichischen Siedlungswerkes (ÖSW)


Wo sehen Sie die Trends in den nächsten Jahren im Wohnbau?

Pech: Früher war das Thema "Von der Wiege bis zum Grabe", d. h. man hat eine Wohnung bezogen und ist dann meist in dieser geblieben. In den letzten Jahren hat die Fluktuation, also die Wechselhäufigkeit im Mietbestand, rapide zugenommen. Partnerschaften gehen auseinander und dabei verändert sich auch der Bedarf an Wohnungen. Wir haben dann plötzlich zwei Suchende am Markt die kleinere Wohnungen benötigen. Diese Entwicklung spüren wir sehr stark und dieser Trend wird sich im städtischen Bereich noch verstärken. Das hat aber auch mit den wechselnden Arbeitsverhältnissen zu tun und damit auch mit veränderten Wohnsitzen.

Welche Weiterentwicklungen gibt es bei der Bauweise und der Technik?

Geissler:
Die Zertifizierungssysteme, die nachhaltige Bauweise bewerten, wirken sehr stark als Innovationsmotor. Die Anforderungen an Recyclingfähigkeit, reduzierten Energieaufwand bei der Produktion und lange Lebensdauer sind quasi Auslöser für Ideen, wie man Produkte besser machen kann.

Welchen Stellenwert haben die Lebenszykluskosten an sich?

Jodl: Meiner Erfahrung nach ist das immer abhängig von demjenigen, der das Gebäude errichtet. Wenn es ein Bauträger errichtet und weiter verkauft, wird er weniger Wert darauf legen welche Kosten im Betrieb anfallen als derjenige, der nicht nur Errichter sondern auch Betreiber ist. Gerade bei der Immobilie ist die Frage der Lebenszykluskosten sehr komplex.

Geissler: Der Erbauer/Nutzer-Konflikt ist ein ganz zentraler. Durch die Tatsache, dass der Errichter sein Projekt mit Gewinn verkaufen möchte, versucht er seine Investitionen grundsätzlich so günstig wie möglich zu halten, was aber zur Folge hat, dass die Immobilie im laufenden Betrieb höhere Kosten verursacht. Die Betrachtung der Lebenszykluskosten hat einen sehr hohen Stellenwert und wir haben mittlerweile auch auf EU-Ebene Vorgaben und Standards zu diesem Thema. Zum Beispiel sind in Deutschland und der Schweiz bei öffentlichen Gebäuden die Lebenszykluskosten vorgegeben. Das ist eine sehr interessante Entwicklung, weil mehr Bewusstsein dafür entsteht und es zu einer gerechteren Lastenverteilung kommt.

Pech: Beim Bau von Mietwohnungen fühle ich mich als Bauherr natürlich verantwortlich für das, was im Gebäude passiert. Die Grenze der Lifecyclekosten ist dort erreicht, wo die Gestehungskosten so teuer sind, dass die Miete nicht mehr leistbar ist. Die Vorgaben im sozialen Wohnbau sind verständlicherweise limitiert. Durch die Förderobergrenzen in den Baukosten sind gewisse Dinge nicht machbar, aber trotzdem ist es ganz wichtig, dass man die Instandhaltungs- und die Betriebskosten im Auge hat.

Geissler: Wenn sich Menschen gewisse Dinge im Wohnbau nicht leisten können, dann wird es sich nicht durchsetzen. Wir brauchen ja eine Breitenwirkung. Und man benötigt Innovationsplattformen - ein gutes Beispiel sind ökologische Materialien. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es hier zu einer vermehrten Nachfrage kommt und diese Materialien auch eingesetzt werden. Wichtig ist: wie sauber ist der Werkstoff, wie ökologisch verträglich und wie kostenoptimiert ist er über den Lebenszyklus.

Ökologische Materialien sind auch oftmals ökonomische, weil sie zum Teil viele finanzielle Vorteile mit sich bringen. Wie stellt sich das bei Aluminium Fenstern dar?

Greger: Zu diesem speziellen Thema haben wir vom AFI ein Positionspapier erstellt. Es gab ja bisher keine durchgängig nachvollziehbare Dokumentation aus der ersichtlich ist, dass Aluminiumkonstruktionen, beziehungsweise in dem Fall Aluminiumfenster, diejenigen mit der längsten Lebens- und Funktionsdauer sind.

Wie wurde dabei vorgegangen?

Greger: Wir haben gemeinsam mit der MA 39 der Stadt Wien, die natürlich ein Interesse an einem Fenster mit langer Lebens- und Funktionsdauer hat, eine Musterwohnung angenommen und eine Balkontür, ein einflügeliges und ein zweiflügeliges Fenster getestet. Wir haben bei diesem Test geschaut, wie viele Öffnungs- und Schließzyklen diese Produkte durchlaufen können. Und zwar einerseits wollten wir es länger testen als die marktüblichen Prüfungen und andererseits wollten wir es ohne Wartung testen. Es ist zwar nicht die Intention der Metallbaubranche zu sagen, man braucht ein technisches Produkt wie das Fenster nicht warten, ganz im Gegenteil, eigentlich sollte man einen Wartungsvertrag abschließen. Aber die Realität ist natürlich eine andere.

Wie viele Zyklen haben die Türe und die Fenster durchlaufen?

Greger: Wir haben die drei Elemente 30.000 Öffnungs- und Schließzyklen durchlaufen lassen und danach geschaut, ob wir die Werte, die gefordert werden, erreichen können. Sie haben diese 30.000 Zyklen ohne Wartung bestanden, was einem Vielfachen herkömmlich geprüfter Fenster entspricht.

Wobei Aluminium noch einen weiteren Vorteil hat.

Greger: Man kann es sehr gut recyceln, da die Materialeigenschaften bei Aluminium nicht verloren gehen. Deshalb haben wir einen Recyclinganteil von 95 Prozent. Wie bei jedem anderen Fenster habe ich einen Energieaufwand bei der Produktion, kann das Produkt aber bei weitem länger einsetzen - so punktet das Material ökonomisch und ökologisch. Außerdem kostet recyceltes Aluminium auf dem Weltmarkt genauso viel wie Hüttenaluminium - und auch das spricht eindeutig für diesen Werkstoff.

Die MA 39 hat getestet und die TU Wien hat mit den Testergebnissen gerechnet.

Jodl: Wir haben bei unseren Berechnungen den Schlüsselbegriff des "beanspruchungsintensiven Nutzerverhaltens" geprägt. Es ging dabei nicht nur um die Anzahl der Öffnungen, sondern auch um die Art und Weise. Fenster und Türen werden nun einmal sehr beansprucht und bei den Aluminiumkonstruktionen wurde festgestellt, dass die Haltbarkeit und die Verschraubungen länger hielten. Man muss auch davon ausgehen, dass in Zukunft die Fenster größer werden, das heißt die Rahmengröße nimmt zu, das Gewicht des Rahmens nimmt zu, das Glas wird im Sinne der Wärmedurchgangswerte und der Verbesserung der Ansprüche an den Energieverbrauch schwerer und dicker. Daraus ergibt sich, dass ein Metall, in diesem Fall Aluminium, wesentlich optimaler geeignet ist die Last zu tragen, als ein weicher Werkstoff.

Pech: Für mich war die Präsentation der Studie sehr interessant, obwohl ich im Vorfeld eher skeptisch war. Wir haben zwar in der Vergangenheit Fensterkonstruktionen aus Aluminium im Bereich der Büros und in den Erdgeschoßflächen verwendet, aber nicht im Wohnbereich, da wir früher das Problem hatten, dass die Qualität nicht unseren Vorstellungen entsprach und wir Schwitzwasserbildung feststellen mussten. 2009 haben wir einen Bauträgerwettbewerb mit den Architekten Delugan/Meissl beim Hauptbahnhof gewonnen und ich freue mich auf die Umsetzung des Projektes mit Aluminiumfenstern. Bei einem so wichtigen Element wie dem Fenster ist die Stabilität und die Qualität ein wesentlicher Faktor. Ich denke, dass wir mit einer größeren Stückzahl auch auf der preislichen Seite noch etwas günstiger werden.

Wie hoch ist der Unterschied beim Preis?

Pech: Aus meiner Erfahrung gesprochen werden das so um die 20 Prozent sein. Über die Lebenszykluskosten, die optimal sind, brauchen wir nicht diskutieren, aber wir haben auch die Herstellungskosten einzuhalten. Da sind zwanzig Prozent relativ viel, auch wenn ich weiß, über die Lebensdauer hole ich mir das wieder zurück. Aber ich denke, dass sich die neuen Alufenster am Markt langfristig durchsetzen werden.

Greger: Davon gehe ich auch aus. Bisher war der Objektbau die Domäne der Metallbauer, aber unser echter Fenstermarktanteil war und ist vergleichsweise gering. Er liegt bei rund 10 Prozent. Wenn aber die Nachfrage steigt, dann kann man auch andere Mengen produzieren und das wird sich sicher nachhaltig positiv am Markt auswirken.

Round Table immobilien investment österreich Ausgabe 2/2011 (Download PDF)
immobilien investment österreich


 
 
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